Probleme mit Zahlen erkennen
Nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Dyskalkulie eine Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren Fertigkeit, die für Algebra, Trigonometirie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden.
Folgende Schwierigkeiten treten immer wieder auf:
Mengen können schlecht eingeschätzt und verglichen werden.
Die Uhr ist ein sehr unbeliebtes Thema und die Kinder tun sich unheimlich schwer, sie zu erlernen.
Der Umgang mit Geld ist schwierig. Fragen Sie ein Dyskalkuliekind, was z. Bsp. ein Brot kostet, können sie durchaus die Antwort 1000€ bekommen.
Entfernungen können nicht geschätzt werden.
Bei Würfelspielen gelingt es dem Kind nicht, die Würfelzahl eins zu eins auf die Felder zu übertragen, d.h. es hat eine 5 gewürfelt, geht aber 7 Felder, weil es einige überspringt oder doppelt zählt.
Die Orientierung im Raum fällt schwer. Sehr oft kommt es zu rechts/links- Verwechslungen.
In der Schule können sich beim Rechnen folgende Schwierigkeiten zeigen:
Die Finger werden meist zu Hilfe genommen.
Der 10er-Übergang scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein, da eine Zerlegung der Zahlen nicht gelingt.
Das Stellenwertsystem ist nicht verinnerlicht. Einer, Zehner und Hunderter werden verwechselt.
Rechenzeichen werden nicht sicher verwendet.
Platzhalter sind verhasst und können nicht gelöst werden.
Die Bedeutung des "="-Zeichens ist nicht klar.
Beim Schätzen und Runden kommen die wildesten Ergebnisse heraus.
Das Kind kann nicht einschätzen, ob das Ergebnis richtig oder falsch ist.
Es bewegt sich sehr unsicher am Zahlenstrahl.
Die Hundertertafel ist keine Hilfe für das Kind, da hier Zahlen nebeneinander liegen, die in Wirklichkeit 10 voneinander entfernt sind oder nicht nebeneinander stehen.
Das 1x1 bereitet oft keine Probleme, da es auswendig gelernt werden kann. Allerdings fällt das Teilen dann meist doch schwer.
Durch diese grundlegenden Probleme verstärken sich die Schwierigkeiten in Mathematik immer mehr:
Wird der Zahlenraum größer, versucht das Kind weiterhin die Finger als Hilfsmittel zu benutzen, stößt aber bald an seine Grenzen.
Meist resignieren die Kinder bei Textaufgaben.
Jede kleinste Abweichung von einer bereits geübten Aufgabe kann nicht gelöst werden.
Zahlenrätsel sind meist verhasst.
Das Umrechnen verschiedener Einheiten (Gewicht, Längen, Zeit, Volumen, Flächen etc.) ist ein Chaos.
Was Brüche wirklich bedeuten, ist völlig unklar.
Negative Zahlen und damit verbundene Rechnungen sind unvorstellbar.
Das Problem mit der Zeit und der Uhr zieht sich in höhere Klassen mit.
Es zeigen sich auch in anderen Fächern Probleme, wie z.Bsp. in Geschichte oder Chemie
Ein Kind mit einer Rechenstörung braucht Hilfe. Es ist nicht dumm, es kann nichts dafür, dass es sich beim Rechnen schwer tut. Vor allem muss Ihr Kind im Selbstbewusstsein gestärkt werden. In der Therapie arbeite ich auch daran, die hohe psychische Belastung sowie eine oft ausgeprägte Matheangst der Betroffenen abzubauen oder zu verhindern.
Wahrscheinlich haben Sie schon viel mit Ihrem Kind gelernt und geübt, aber der erhoffte Erfolg hat sich leider nicht eingestellt. Mit der Zeit sind sowohl Sie als auch Ihr Kind frustriert. Das Kind bekommt das Gefühl, dumm zu sein. Meist beeinflusst oder bestimmt der ganze Schulfrust irgendwann das häusliche Familienleben. Wahrscheinlich haben Sie schon viel mit Ihrem Kind gelernt und geübt, aber der erhoffte Erfolg hat sich dann doch leider nicht eingestellt. Mit der Zeit sind sowohl Sie als auch ihr Kind frustriert. Das Kind bekommt das Gefühl, dass es dumm ist. Meist beeinflusst oder bestimmt der ganze Schulfrust irgendwann das häusliche Familienleben. Sehr häufig trat die Dyskalkulie schon früher innerhalb der Familie auf. Viele Kinder fühlen sich erleichtert, wenn sie erfahren, dass z.B. die Tante trotz Dyskalkulie ihr Leben gemeistert hat.
Ohne eine individuelle Förderung sind Fortschritte bei einer Rechenstörung nur sehr schwer oder gar nicht möglich. Denn Dyskalkulie ist "entwicklungsstabil", sie nimmt also mit zunehmendem Alter nicht von selbst ab. Die Therapie sollte auf jeden Fall von einer zertifizierten Therapeut/in durchgeführt werden. Bei der Auswahl der Therapeuten sollten Sie darauf achten, dass eine Zertifizierung nach BVL (Bundesverband Legasthenie) vorliegt. Diese finden Sie auch auf der Website des BVL: https://www.bvl-legasthenie.de